Papa

Als Jessica im Dezember 2005 zu mir kam und sagte das Sie überfällig war, mußte ich ein wenig schlucken. Geplant waren Kinder erst nach meiner Prüfung, der Hochzeit und dem Hausbau. Jessica beschloss erstmal einen Schwangerschaftstest von der Apotheke zu holen, nur der Schwangerschafttest sagte negativ.

 

Irgendwie waren wir ein wenig erleichtert das nun noch kein Nachwuchs kommt, aber irgendwie hatten wir uns das schon ausgemalt wie das mit dem Nachwuchs wäre. Jessica hatte aber trotz des Tests noch Zweifel und sicherheitshalber hatten wir am 23.12.2005 noch einen Termin beim Frauenarzt.

 

Ich wartete im Wartezimmer und Jessica machte dort erneut einen Schwangerschaftstest, nach ein paar Minuten kam Sie wieder rein und ab da konnte  ich nur noch sagen "Ich werde Papa".

Wir wollten es aber erstmal noch niemandem erzählen, da die ersten 12 Wochen sehr kritisch sind. Das fiel uns nicht leicht denn  Weihnachten der Familie so eine Nachricht zu überbringen wäre ein großes Geschenk gewesen.

 Leider war es gut das wir es noch niemanden erzählt hatten, denn ende Januar haben wir unseren Nachwuchs verloren. Da haben wir es der Familie erzählt......

 

Jessica und ich hatten uns schon auf unserern Nachwuchs gefreut, wir wollten aber nicht mit aller Gewalt ein Baby sondern entschieden das wir die Verhütungsmittel weglassen und schauen was passieren würde.

Es dauert auch nicht lange und Jessica war wieder schwanger, aber auch dieses mal erzählten wir es niemanden.In der 10 Schwangerschaftswoche bekam Jessica nachts starke Blutungen und wir fuhren sofort ins Krankenhaus.Wir waren uns sicher wir hätten zum 2ten mal ein Baby verloren.Doch zum Glück sahen wir auf dem Ultraschall das es unserem Baby gut ging.Jessica blieb noch ein paar Tage zur Beobachtung dort.Allerdings war sie die nächsten 5 Wochen dazu verdonnert sich zu schonen,denn sie hatte immer wieder zwischenblutungen.

Bei einer Ultraschall untersuchung (ca 13 Schwangerschaftswoche ) viel auf das die Nackenfalte größer war als Sie zu dem Zeitpunkt hätte sein dürfen, auch eine Woche später änderte sich nichts an der Größe. In der 15. Schwangerschaftswoche bekam Jessica eine Überweisung ins Oldenburger Klinikum, wo dann nochmal ein Ultraschall gemacht wurde und der Arzt eine Fruchtwasseruntersuchung machen wollte.

Erst zögerte Jessica aber dann willigte Sie ein. Die Abnahme des Fruchtwassers verlief schnell und ohne irgendwelche Probleme, der Arzt sagte noch das wir am nächsten Tag die ersten Ergebnisse kriegen würden und unser Frauenarzt würde uns dann anrufen.

 

 Am nächsten Tag rief Jessica mich dann an und es bestätigte sich der Verdacht den wir bereits hatten, unser Baby hat Trisomie 21 ( Downsyndrom ).Und es wird ein Mädchen. Wieder brach eine Welt für uns zusammen.Und wir dachten uns ob es nicht gereicht hätte das wir bereits eins verloren haben.  Das Klinikum Oldenburg lud uns dann zu einem Beratungsgespräch ein wo wir dann auch hinfuhren. Wir hatten viele Fragen auf denen uns der Arzt und eine Schwester auch ausreichende Antworten gab über Statistiken, Adressen und die Unterschiede zwischen einem nicht behindertem Kind und unserem.

Irgendwie nahm ich die ganzen Antworten nur halb auf, denn mir war es egal was Sie sagten ich wollte nicht Vater eines behinderten Kindes sein. Jessica hatte da nicht so ein Problem mit, natürlich war es für Sie auch nicht leicht es zu akzeptieren, aber durch Ihre Ausbildung zur Erzieherin hatte Sie bereits mit behinderten Kindern gearbeitet.

Ich kannte nur die behinderten Kinder / Jugendlichen die in den Autos der Lebenshilfe hin und her gefahren wurde und hatte ansonsten nie Kontakt mit behinderten Menschen.

Selbst als eine Frau von der Frühförderung bei uns war und Jessica mir Seiten im Internet zeigte auf denen einiges über Trisomie 21 stand, hatte ich meine Entscheidung getroffen ich wollte dieses Kind nicht.

 

Zwischen mir und Jessica war es das einzige Gesprächsthema in der Zeit. Das schlimme war wir hatten bist zur 21. Schwangerschaftswoche Zeit um uns zu überlegen ob wir es behalten wollten oder nicht.

Es hat lange gedauert bis ich intensiver darüber nachdachte wie das Leben mit unserer Tochter sein würde.

Vor allem was würde ich Jessica antun wenn Sie ein zweites Baby nicht bekommen würde?

Wie würde es mit uns weitergehen?

Auf alle Fälle stand für mich fest ich würde Sie nicht alleine lassen, schließlich habe ich auch meinen "Spass" gehabt. 

Irgendwann hatte  ich mich an den Gedanken gewöhnt und um Ihr zu beweisen das ich es ernst meinte habe ich Sie gefragt ob Sie mich heiraten möchte. Leider war es nicht so ein romantischer Antrag wie ich ihn eigentlich geplant hatte, sondern Abends nach einer kleinen Diskusion auf dem Sofa.

 

Der Famlie es zu erklären das wir nun unseren Nachwuchs bekommen würden so wie Sie ist, war nicht ganz so leicht, aber irgendwann haben sie es akzeptiert. Mittlerweile ist es sogar so das ich bei meinen Eltern immer kämpfen muss, damit ich Sie überhaupt wieder mit nach Hause bekomme.

 

 Ihre Geburt war etwas besonderes für mich, auch jetzt ist Sie immer noch was besonderes Immer gut drauf ( mit Ausnahmen ) immer am lächeln.

Natürlich weiß keiner von uns was noch auf uns zu kommt, aber der Anfang ist schonmal gemacht.

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